Generationen-Manifest zur Übernahme von Verantwortung

Eltern übernehmen Verantwortung
Wir öffnen die Augen und erkennen: Es geht ums Ganze. Es geht um die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen wollen. Und nicht nur um unsere vermeintlich kuschelige Nische. Schluss mit unseren konsequenzlosen “Man müsste mal” Gedanken. Ab jetzt zählen unsere Taten, unsere konkreten Beiträge. Wir informieren uns, statt zu ignorieren. Wir setzen uns für ein besseres Bildungssystem für alle ein. Wir werden nicht mehr auf Kosten unserer Kinder leben, denken und handeln, sondern unser Verhalten danach ausrichten, welche Konsequenzen es für unsere Kinder hat. Danach richten wir unsere politischen Entscheidungen aus. Danach richten wir unsere Konsumentscheidungen aus.

Großeltern übernehmen Verantwortung
Wir haben viel Gutes in diesem Land aufgebaut und gestaltet. Aber manches haben wir übersehen, einiges ist noch nicht fertig. Erst wenn wir der Generation unserer Kinder und Enkel unsere Weisheit und Erfahrung zur Verfügung gestellt und sie darin unterstützt haben, die Mission, die wir einmal angefangen haben, können wir uns zufrieden zurücklehnen. Vorher nicht.

Jugend übernimmt Verantwortung
Für uns und unsere Zukunft. Wir messen unsere Eltern, die Politik, die Institutionen, die unsere Zukunft gestalten, daran, ob sie ihr gerecht werden. Und behandeln sie entsprechend. Und wir selbst ändern unser Verhalten. Wir informieren uns, statt zu ignorieren. Firmen, die mit ihren Produkten, ihrem Verhalten unsere Zukunft gefährden, strafen wir mit Missachtung. Und fordern sie zur Veränderung heraus. Politiker, die mit ihren Entscheidungen unsere Zukunft aufs Spiel setzen, wählen wir nicht. Und bewegen sie, ihre Programme zu überdenken. Wir werden jetzt selbst aktiv und gestalten die Welt mit unseren Ideen für eine bessere Zukunft. Jeden Tag. Mit kleinen und großen Schritten. Ganz unmittelbar.

Eliten übernehmen Verantwortung 
Wir informieren, statt totzureden. Wir exponieren uns und gehen ein Risiko ein. Wir überzeugen, statt abzuwägen. Wir fordern Taten, konkret, und gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Wir verändern, statt zu zerreden. Wir sind uns unserer Vorbildfunktion bewusst und nehmen sie ernst. Nicht nur in den Talkshows, Feuilletons und Bügersalons. Sondern im wahren Leben.

Konsumenten übernehmen Verantwortung
Unsere Art zu leben, zu interagieren und zu konsumieren kommt in Bewegung. In Bewegung gebracht wird sie von uns, den Konsumenten. Die Geräte, die wir benutzen, die Kleider, die wir tragen, das Essen, von dem wir uns ernähren, die Verpackungen, die wir dazu brauchen, die Energie, die wir bei alldem verbrauchen – wir sind uns unserer Verantwortung und unserer Verbrauchermacht bewusst. Wir wollen weiter konsumieren. Aber nicht mehr um jeden Preis. Deshalb fordern wir von denen, von denen wir unseren Konsum befriedigen lassen, eine andere Art des Wirtschaftens. Wir verlangen eine neue industrielle Revolution, die Konsum in Einklang mit nachhaltigem und ressourcenschonendem Wirtschaften ermöglicht. Wir fordern in allen Kategorien Unternehmen als Changemaker, die die neue industrielle Revolution anführen und anderen den Weg zeigen. Denen werden wir in Zukunft vertrauen. Denen werden wir in Zukunft unsere Konsumwünsche anvertrauen. Der Erfolg jeder Revolution liegt in der Kraft des Glaubens, dass sie erfolgreich sein wird. Und in der Anzahl der Menschen, die diesen Glauben teilen. Wir sind viele. Viel mehr als viele Unternehmen es sich im Moment vielleicht vorstellen. Für uns ist der Status quo wirtschaftlichen Handelns nicht länger akzeptkabel. Wir wollen den Wechsel und wir wollen Unternehmen, die diesem Wechsel vorangehen.

Manager übernehmen Verantwortung
Bei unseren Entscheidungen vergessen wir nie, dass wir auch Väter und Mütter sind von Kindern, deren Zukunft in unseren Händen liegt. So wie die Zukunft der Kinder unserer Mitarbeiter. Unternehmerische Verantwortung heißt, Entscheidungen zu treffen, die mit unserer Verantwortung als Menschen vereinbar sind. Gewinne sind da okay, wo sie nicht im Widerspruch zu einer nachhaltig besseren Zukunft gemacht werden. Shareholder-Value ist da gut, wo er nicht auf Kosten unser aller “Life-Value” entsteht.

Investoren übernehmen Verantwortung
Bisher investierten wir, um den Wert unserer Vermögen zu vermehren. Das schien uns legitim. Ab jetzt investieren wir in Firmen und Ideen, wenn wir damit gleichzeitig den Wert der Welt um uns herum vermehren. Das legitimiert uns in Zukunft. Wir sind uns der Chancen bewusst, die jeder Euro, den wir investieren, für unsere Zukunft eröffnen kann. Und der Verantwortung, die uns daraus erwächst. Wir handeln danach.

Politiker übernehmen Verantwortung
Unsere Legitimation ist die Sicherung und Gestaltung der Zukunft unserer Welt. Wir wissen, dass das keine Frage einer Legislaturperiode ist. Und dass wir unserer einzigen Aufgabe nicht durch Parteigezänk, Wahltaktiererei und Postendenken gerecht werden. In Zukunft werden wir danach handeln. Langfristig und verantwortungsvoll, parteiübergreifend zum Wohl derer, die uns gewählt haben. Wir werden zuhören und handeln. Und uns auch nicht von noch so starken Lobbyisten vom richtigen Weg abbringen lassen.

Wissenschaftler übernehmen Verantwortung
Denn: Nur weil etwas machbar ist, ist es noch lange nicht richtig. Wir gestalten den Fortschritt, der zu einer nachhaltig besseren Welt führt. Mit diesem Gestaltungswillen kämpfen wir in unseren Laboren, Universitäten und Instituten. Jeden Tag. In diesen unübersichtlichen Zeiten werden wir uns als Vermittler und Übersetzer zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft engagieren. Und uns aktiv und hörbar in Meinungsfindungsprozesse einbringen!

Wir, die Menschen der “Man müsste mal”-Generation übernehmen Verantwortung
Wir glauben an Utopia. Utopia ist machbar. Jetzt. Mit kleinen Schritten jeden Tag. Mit großen Schritten da, wo sie möglich sind. Wir belohnen nachhaltige Politik mit Wahl und nachhaltige Produkte mit Kauf. Wir belohnen jeden richtigen Schritt in eine nachhaltige Welt mit Lob und Anerkennung. Als Motivation für die nächsten Schritte. Und wir streichen “man müsste mal” aus unserem Sprachsatz. Wir machen. Wir. Jeder Einzelne von uns und wir gemeinsam. Jeden Tag. Von diesem Weg und diesem Ziel lassen wir uns nicht abbringen. Niemals und von niemandem. Sondern unterstützen uns gegenseitig. Denn diese Welt hat etwas Besseres verdient als eine “Man müsste mal”-Generation, die sie vor die Hunde gehen lässt. Wir werden diese Welt der nächsten Generation besser übergeben, als wir sie vorgefunden haben.

(Aus Die Generation man müsste mal von Claudia Langer. Droemer Verlag 2012, S. 174 ff)